5. Etappe: Kloster Steinfeld – Blankenheim



Schon früh bin ich heute Morgen wach geworden, nachdem ich mir gestern einen sehr stillen Abend gegönnt habe.

Ich schlief in einer Klosterzelle, nein, einem wirklich komfortablen Gästezimmer des Klosters mit Dusche und WC. Das Kloster hat eine sehr beruhigende Ausstrahlung und ist entsprechend gut besucht von Menschen, die innere Einkehr suchen. Ich habe diese Stille sehr genossen und war wie gesagt sehr früh wach. Ich habe mich zu früher Stunde in den Klostergarten begeben, um diese Stille noch intensiver zu spüren. Sehr schön!
Auf ein Frühstück konnte ich dann gleich verzichten, war einfach kein Hunger da, ohne ernste Ambitionen aufs Fastenwandern zu haben.
Gegen sieben oder halb acht hab’ ich mich dann auf den Weg gemacht. Da es noch dunkel war, sind viele Tiere unterwegs gewesen. So habe ich ein paar Wildschweine sehen können und verschiedene, recht laute Geräusche ganz in der Nähe gehört. Einzig schwieriges Wegstück am heutigen Tag war ein Aussichtspunkt mit Blick zum Kloster, der zu besteigen, wegen sehr steiler Treppenstufen, mit der Schubkarre etwas schwierig war.
Der weitere Weg führte über weite Felder, über sanfte Hügel hinab zum Urfttal und zum „grünen Pütz“, einer Quellfassung aus der Römerzeit. Hier ist der Anfang der römischen Wasserleitung nach Köln. Verschiedene Quellen wurden in diesem Kanal gefasst und über eine Strecke von fast 100km, immer mit ganz leichtem Gefälle, bis nach Köln geleitet. Über Nettersheim, wo ich mir eine lange Mittagspause gegönnt habe und sogar ein wenig Sonne ab bekam, lief ich weiter in Richtung Blankenheim.
Schon auf meiner ersten Etappe hatten mir entgegenkommende Wanderer von einer Baustelle erzählt, an der es kein Durchkommen gibt. Deshalb nahm ich, als ich ein Hinweisschild auf diese Baustelle sah, einen kleinen Umweg der durch einen sehr stillen Wald. Hier konnte ich in einiger Entfernung über eine längere Zeit einen Rothirsch beobachten. Ich hätte gedacht, dass der Hirsch bei den Geräuschen, welche die Schubkarre macht, sofort Reißaus nehmen und war doch ziemlich erstaunt darüber, dass er die Situation erst einmal abwartend beobachtete.
Unterwegs wurde ich wiederum von diversen Menschen angesprochen, die mich mit meiner Karre daher kommen sahen...

Eine Tatsache, die mir schon deutlich aufgefallen ist, ist die, dass alle Leute denen wir begegnen, erst einmal anfangen zu lachen. Wenn das der Sinn der Reise ist (also die gesamte Eifel zum Lachen zu bringen) dann ist das für mich Grund genug, diese Wanderung genau so durchzuführen.


6. Etappe: Blankenheim - Leudersdorf



Schon morgens früh nieselte es ein wenig. Das hieß für mich zum Einen, die Regenhülle über mein Gepäck zu spanne und zum Zweiten, mich mental auf eine schmierig glitschige Etappe einzustellen. Pünktlich um 8 Uhr traf Jörg, ein ehemaliger Kollege, mit dem ich 15 Jahre zusammen gearbeitet habe, ein. Er wollte diesen Tag mitwandern und ließ sich in keiner Weise durch das Wetter abschrecken. Zunächst verlief der Weg leicht bergauf zum Ortsausgang von Blankenheim. Wir bogen links auf den Brotpfad ab, der schon nach kurzer Zeit zu einem steil abfallenden Trampelpfad wurde. Hier kam wieder die inzwischen bewährte Kufenbremse zum Einsatz. Da der Weg allerdings sehr rutschig war, stotterten wir uns sehr langsam und vorsichtig abwärts.
Unten, in einem kleinen Bachtal angekommen, ging es auch schon gleich wieder steil den Berg hinauf. Dank der Zughilfe durch Jörg klappte das Erklimmen dieses fast ebenso steilen Pfades prima. Dieser Brotpfad ist wirklich sehr romantisch und einsam...

Leider war’s nix mit gemütlicher Mittagsrast auf den Bänken des Kalvarienberges. Ich hatte mir im Vorfeld zu meiner Wanderung schon ein lockeres Mittagsschläfchen in der Sonne ausgemalt. Hier oben zog ein kräftig kalter Wind und teils heftige Regenschauer durch. Was folgte, war für Jörg ein Kampf gegen die Kälte und eine mittlere Geduldsprobe. Ein Fernsehteam des SWR hatte sich angekündigt und traf sich nun hier oben mit mir, um einige Aufnahmen für die Landesschau zu machen. Durch verschiedene Einstellungen und Varianten, in die auch ein ebenfalls auf dem Eifelsteig wanderndes Paar involviert wurde, dauerte die ganze Schose über eine Stunde.
Im mittlerweile heftiger werdenden Regen konnten wir unseren Weg durchs Lampertstal fortsetzen. Der Rest ist schnell erzählt, Regen, Regen, Regen. In Leudersdorf hatte die Dorfkneipe noch zu als wir eintrafen...


7. Etappe: Leudersdorf - Hillesheim



Die Verwöhnkur von Frau Leiff ging auch am frühen Morgen weiter. Ich bekam von ihr ein leckeres Frühstück mit diversen Dingen aus der Eifel, wie Kräuter-Bergkäse und Honig serviert. Gegen acht Uhr traf ein Freund (in dem Fall sogar Doktor... Freund) ein, der für den heutigen Tag dabei sein wollte. Wir verabschiedeten uns von meiner Pensionswirtin mit einem netten Foto und der Vorfreude auf ein Wiedersehen. Anschließend deckten wir uns bei Meyers noch ein wenig mit Kleinigkeiten für den Tag ein. Frau Meyer gab uns einige selbst geerntete Boskop Äpfel, wehrte sich aber vehement gegen eine Bezahlung selbiger (darf ich mich revanchieren?). Mit sehr herzlichen Wünschen wurden wir verabschiedet und begaben uns lockeren Schrittes Richtung Eifelsteig, versprach die Etappe doch, wegen der verlängerten gestrigen, heute eher kurz zu werden...

Gemütlich erreichten wir schon um 15 Uhr unser heutiges Etappenziel in Hillesheim. Wir kehrten im sehenswerten Krimicafé ein. Hier dreht sich alles um Kriminalfälle jeglicher Couleur und mancher wird sich an Kinder- und Jugendzeiten vor der elterlichen Glotze erinnern. Die liebevoll drapierten Gegenstände lassen eine Welt der äußerst cleveren Verbrechensbekämpfung und lupenbewehrter detektivischer Arbeit aufleben. Von jedem berühmten Kriminalhelden existieren Gegenstände, Filmplakate, etc., in diesem Café herrscht eine surreale Welt von Sherlock Holmes und Miss Marple.
So, morgen steht eine tolle Etappe an. Es geht nach Gerolstein! Ich freue mich und bin gespannt, was da auf mich zu kommt.


8. Etappe: Hillesheim - Gerolstein



Ganz schön kalt war’s am frühen Morgen. Eine dicke Nebelschicht lag über der Eifel und die Temperatur lag teilweise unter dem Gefrierpunkt.
Auch für heute hatten sich Mitwanderer angekündigt. Sie standen warm eingepackt im wie ausgestorben wirkenden Hillesheim, während ich mein Bündel schnürte, d.h. Schamptall mit unserem Hab und Gut belud.
Zunächst wanderten wir über den Viehmarkt Richtung Bolsdorfer Tälchen. Im dichten Nebel schien die Landschaft wie in einem Winterschlaf festgehalten zu sein. Durch das malerische Tälchen gelangten wir bald nach Bolsdorf zum alten Backhaus. Leider waren hier noch alle Türen verschlossen, wir waren einfach zu früh dort. Auf dem Grundstück wurde allerdings gearbeitet und der Besitzer bemerkte, das wir wohl gern einen Kaffee getrunken hätten. Er musste uns mitteilen, er könne uns leider das Café noch nicht öffnen, ging aber dennoch kurz ins Haus und kam mit einem „medizinischen“ Getränk wieder hinaus. Er schenkte ein, es wurde gemeinsam angestoßen und ein köstlicher Geschmack, verbunden mit einer milden Wärme ergoss sich ölig und ohne jegliches Kratzen in meine Kehle. Dieser Mirabellenschnaps war etwas ganz Feines. Er erzählte uns ein wenig über die besonderen Angebote im alten Backhaus, wie z. B. Tage an denen wie zu Großmutters Zeiten gekocht wird. Es war zwar das erste, aber sicher nicht das letzte Mal, dass ich hier vorbeigekommen bin... Leicht abwärts führte der Weg weiter nach Roth.
Zur Mittagspause ließen wir uns am Sportplatz nieder, so dass die Kids etwas Fußball spielen konnten. Kurz hinter Roth führt der Weg zu den Eis- bzw. Mühlsteinhöhlen (Lampe mitnehmen). In diesen tatsächlich sehr kalten Höhlen - die Eingänge liegen in einer Senke - wurde früher Eis zum Kühlen von Lebensmitteln hergestellt. Man kann auch Mühlsteine sehen, deren Bearbeitung begonnen, jedoch nicht fertiggestellt wurde.
Oberhalb der Höhlen, auf dem Rother Kopf genossen wir ein sehr schöne Aussicht weit über die Eifel. Diese Aussicht sollte sich niemand entgehen lassen, der in der Nähe ist. Zwischen Ginsterbüschen steht eine Bank, die zu Verweilen geradezu auffordert.
Über verschiedene Hochflächen stiegen wir von hier aus langsam ins Felsenstädtchen Gerolstein ab. Die gegenüberliegende Munterley ließen wir aus, da ich am Nachmittag noch einen wichtigen Termin bei Gerolsteiner hatte...


Zu den nächsten Etappen...

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