
Oxfordstr. 4 | 53111 Bonn | Tel.: 02 28 - 65 80 -71 Fax: -73 | E-Mail: info[at]steppenwolf.de
Öffnungszeiten: Mo-Fr 10-20h, Sa 10-18h | Koordinaten 50°44'15"N 7°06'02"E"
Was macht man, wenn man morgens irgendwo im dicken Nebel steht und die Temperatur in Verbindung mit der hohen Luftfeuchtigkeit unangenehm unter die Klamotten kriecht?
Rischtisch... Sie verkriechen sich wieder ins schön warme Bettchen. Wir nicht! Wir sind am frühen Morgen auf die Berge gestiegen. Wir? Ja, auch bei diesem trüben Wetter waren wieder zahlreiche Interessierte zur Stelle, um bei diesem Wandertag mitzumachen. Ulrike und Hermann sind gleich gestern Abend da geblieben, genauso mein Schatz, Sharon kam aus Niederkassel angereist.
Während unseres gestrigen geselligen Abends in der Schwarzbrennerei stieß Marianne aus der Umgebung von Gerolstein zu uns, die sich ebenfalls dazu entschloss, teilzunehmen. Von Gerolstein führt der Weg sofort steil hinauf zum Heiligenstein.
Hier oben wartete eine Überraschung auf mich. Aus dem Wald kam plötzlich ein Schrat hervorgesprungen, der uns derart erschreckte, dass uns fast meine geliebte Schamptall entglitten und den Abhang hinuntergerumpelt wäre. Es war Patrick, einer meiner ehemaligen Kollegen. Nachdem ja schon Jörg mit mir unterwegs war und am gestrigen Tag Winno, ist er nun der dritte ehemalige Kollege... was soll mir das sagen? Ich hab’ mich jedenfalls mächtig gefreut. Zusammen stiegen wir weiter hinauf auf den Heiligenstein...
Neroth bietet u.a. ein Mausefallenmuseum, sowie ein „Mausefalle“ benanntes Bistro. Hier kehrten wir ein und ließen uns einen stärkenden Mittagssnack munden, da noch ein heftiger Anstieg auf uns wartete. Bei diesem Anstieg konnte ich wieder auf die tatkräftige Unterstützung der Herren bauen.
Nachdem wir auf dem Nerother Kopf, einem geschichtsträchtigen Ort, eine kurze Verschnaufpause einlegten war der Abstieg ein Hochgenuss. Langsam aber stetig senkte sich der Weg immer weiter zum Tal hin, und das bei vielen freien Flächen, die eine sehr gute Sicht ermöglichten. Der abschließende Gegenanstieg nach Daun hatte es dann noch mal in sich, so dass unser heutiges Ziel nur durch Teamwork erreicht wurde.
Der Beginn unseres Tages war wieder mal recht frostig, die Temperatur lag knapp unter 0°. Beim Anstieg zum Dronke Turm, zwischen Gemünder Maar und Weinfelder Maar gelegen, wurde uns dann allerdings schnell warm. Der Aufstieg ist zwar steil, aber selbst mit Schubkarre gut zu meistern. Hier oben schien schon die Sonne und somit stand die erste Schnapsrunde bei annehmbarer Lufttemperatur an. Köstliche, wärmende Tröpflein rannen langsam meine Kehle hinab...
Der Weg führt weiter an der Weinfelder Kapelle vorbei, die nach einem Brand gerade renoviert wird, einmal ums Maar herum und dann in Richtung Schalkenmehren. Hier wurde zunächst der Bäckerladen gestürmt und anschließend die erste längere Rast eingelegt.
Nach einigem Auf und Ab durch schönen Buchenwald erreichten wir gegen Mittag die Üdersdorfer Mühle, wo uns eine leckere Linsensuppe kredenzt wurde. Beim Bauern durften wir danach noch einen ganz frischen und hervorragend schmeckenden Apfelsaft probieren.
Ab der Mühle ging es durch das einsame Tal der Lieser. Einsam deshalb, weil es kaum einmal von Straßen berührt wird. Teils führt der Weg über breite Forst- und Wirtschaftswege, teils aber auch über sehr schmale Pfade, die am Hang entlang führen. Diese Stellen sind wunderschön, allerdings für den Piloten einer Schubkarre auch eine große Herausforderung. Es gilt, konzentriert zu Werke zu gehen, damit sich das Fahrzeug nicht unkontrolliert in Richtung Bach davon macht und nur noch rituell verabschiedet werden kann.
Bei der Steilheit des Geländes ist eine Bergung unmöglich. In meinem Fall wäre das natürlich fatal, würde es doch das Ende der Expedition bedeuten und damit einen immensen Gesichtsverlust, gerade jetzt, wo ich doch schon soooo weit gekommen bin.
Bei einer der vielen Pausen musste natürlich überprüft werden, ob die Qualität des Schlehengetränkes auch über den Zeitraum mehrerer Stunden gleichbleibend gut ist. Wie Sie, lieber Leser sicher merken, war es ein überaus harter und entbehrungsreicher Tag, der an alle große konditionelle Anforderungen stellte. Gewisse Ermüdungserscheinungen beim ein oder anderen waren nicht zu übersehen...
Ganz gemütlich schoben wir bei bewölktem, jedoch nicht regnerischen Wetter los um uns den zweiten, etwas schwierigeren Teil des Lieserpfades anzutun. Dieser Weg hat schon ein wenig alpinen Charakter, zumindest für den normalen Mittelgebirgswanderer. Es ist ein überwiegend sehr schmaler Trampelpfad der sich am Hang entlang windet und immer wieder sehr schöne Tief- und Panoramablicke zulässt. An vielen Stellen sind Schutzhütten aufgestellt worden, die zum Verweilen einladen.
Weil es in diesem Tal keine Straße oder Eisenbahn gibt, ist die Atmosphäre für hiesige Verhältnisse einzigartig. Man kann mehrere Stunden hier wandern, ohne Geräusche der Zivilisation zu hören (abgesehen von den Düsenjets der Air Base Spangdahlem).
Für mich, besser gesagt für uns war das Ganze, in Begleitung einer Schubkarre, ein hochalpines Unternehmen der Extraklasse. O k, vielleicht nicht ganz zu vergleichen mit Touren an den ganz hohen Bergen, allerdings ist die Besteigung des Mt. Blanc dagegen ein Sonntagsspaziergang nach dem Kaffeeklatsch. Das voll beladene Teil über den Steig, über Stufen, Wurzeln, abschüssigen Schiefer und schrägen Waldboden zu wuchten; schiebend, ziehend und tragend hinauf und vorsichtig bremsend hinab, erfordert so viel Konzentration, Kraft und Timing, dass sehr schnell ein mittlerer Grad an Erschöpfung erreicht ist...
Womit soll ich anfangen? Vielleicht am besten mit dem frühen Morgen.
Da ich heute alleine unterwegs war, bin ich etwas früher als sonst aufgebrochen. Von den Mönchen bekam ich schon um 7 Uhr ein leckeres Frühstück serviert. So konnte ich um halb 8, noch in der Dunkelheit aufbrechen. Ich wanderte zunächst dem Steig entlang, es war dort jedoch durch den Regen von gestrigen Tag und der ganzen Nacht so matschig, dass ich schon bald auf andere Wege ausweichen musste.
Es gab einfach kein rechtes Durchkommen oder es wurde für mich alleine zu heikel die Schubkarre zu halten. Im Ort Landscheid besuchte ich den nächsten Bäcker mit Café (Café Flesch) und setzte mich zu einem heißen Kaffee hin. Ich bekam etwas Strom aus der Dose und konnte so meinen Vortagesbericht endlich loswerden. Meinen weiteren Weg setzte ich nicht über den Eifelsteig, sondern über diverse Wirtschaftswege, die nicht so verschlammt waren, fort.
Die zwei wirklichen Highlights gab es auf der heutigen Tour, nämlich das Treffen mit einem netten, älteren Herrn, der extra auf der Landstraße sein Auto anhielt und daraus ausstieg, um mit mir zu sprechen, und den Aussichtsturm auf dem Kellerberg, einen um die 30m Holzturm aus Douglasienstämmen. Von hier oben kann man bei guten Sichtverhältnissen große Teile der Eifel, den Hunsrück und sogar die Ardennen sehen, bei den heutigen eher nur die Orte im Umkreis von 5km.
Gegen 16 Uhr erreichte ich die Peripherie von Erlenbach, als ich von einem Fahrzeug mit dem Aufdruck „Pension Viktoria“ überholt wurde. Das Auto hielt an und es stiegen Herr und Frau Henn, die Betreiber der Pension, aus. Sie hatten schon die näheren Wälder der Umgebung nach mir abgesucht. Kurze Zeit später wurde ich dann mit Kaffee und Kuchen verwöhnt, konnte eine heiße Dusche nehmen und mich für unseren abendlichen Kneipengang rüsten.
Inzwischen waren wieder einmal Freunde von zuhause eingetroffen, die nun morgen mitwandern werden. Auch sie nächtigen hier. In erwähnter Kneipe (Gasthaus Hauprich) saßen an fast allen Tischen Gäste, der Tresen war voll besetzt, Riesenstimmung in der Bude. Die Kneipenwirte, Anneliese und Alfred, beide um die 80, hatten alles voll im Griff. Sie sind die eigentliche Seele des Lokals, regeln alles in absoluter Gelassenheit und sind dabei freundlich und zuvorkommend, haben immer Zeit für ein kleines Schwätzchen, wirklich sehr beeindruckend und schön zu sehen.
Ich wurde sofort von einigen Leuten an einer Art Stammtisch angesprochen und vereinnahmt, musste direkt einiges erzählen, es kamen verschiedenste Fragen zum wieso und warum, wie ich das alles organisiere, ob’s anstrengend ist, wie lang die Etappen sind usw. usw. Dabei wurde viel gelacht und gespottet, immer in einer wohlwollenden Art.
Dann wurde einiges zum Dorf und zu herausragenden, weil schrägen Persönlichkeiten der Gegend erzählt. Es wurden Fotos geschossen, wir wurden zu Schnäpsen und Likörchen eingeladen, kurzum ein wunderschöner gesellig fröhlicher Abend mit der unmissverständlichen Aufforderung an mich, auf jeden Fall bald wiederzukommen, es gäbe ja noch so viel zu erzählen...
Zu den letzten beiden Etappen...